Im März 1978 flimmerte aus Essens legendärer Grugahalle eine der bis heute
besten „Rockpalast“-Nächte über hiesige TV-Bildschirme. Mit dabei: Randy
Californias Spirit, Allman-Brothers-Band-Gitarrist Dickey Betts mit seiner Sologruppe
Great Southern und das Europa-Debüt der mit ihrem explosiven Auftritt hierzulande
gleich ihren furiosen Durchbruch feiernden US-Combo Mother’s Finest.
Mit wuchtigen und doch soul-geladenen Groovern à la „Fire“, „Give You
All the Love“ plus dem bis heute unerreichten „Baby Love“ zelebrierten sie
einen schweißtreibenden Mix aus Funk und Hardrock, der hierzulande absolut neu
war und bis in die Gegenwart faszinierend anzuschauen sowie begeisternd zu hören ist. Eine echte Sternstunde des bundesdeutschen (Musik-)Fernsehens.
Auch 25 Jahre später, beim ebenfalls auf dieser klang- und bildtechnisch remasterten DVD enthaltenen
2003er-"Rockpalast", waren die Herrschaften um Frontlady Joyce Kennedy zwar nicht mehr ganz so frisch – wen wundert’s? –
aber doch weiterhin immens engagiert und noch immer mehr als sehens- bzw. hörenswert.
Laut, wild, bisweilen brachial und doch nachdenklich, emotional, melodisch? Diese widersprüchliche Kombination muss nicht zwangsläufig schizophren oder inhomogen klingen. Nicht wenn man Andy Hull heißt und Sänger/Songschreiber der wunderbaren Manchester Orchestra aus Atlanta im US-Bundesstaat Georgia ist. Das dritte Album der Band kommt als ihr mit Abstand mutigstes, ausdrucksstärkstes und rundum bestes Werk daher. Der alternative Rock aus Nordamerika steht im Jahre 2011 bisher exzellent da. Und das ist zu einem großen Teil das Verdienst von Mr. Hull, der u. a. mit dem komplexen Titeltrack, dem tosenden "April Fool", dem beschwingten "Pensacola" oder dem sphärischen "Virginia" gleich eine ganze Reihe potenzieller Genre-Klassiker geschaffen hat.