Der Untertitel dieser, wenn schon wenig tiefschürfenden, dafür aber grandios unterhaltsamen, knapp zweistündigen Rockumentary lautet "49% Motherfucker, 51% Son of a Bitch". Natürlich kokettieren die US-amerikanischen Doku-Filmemacher Greg Olliver und Wes Orshoski nicht nur hier, sondern während der gesamten Spielzeit, mit dem Böse-Buben-Image des Hardrock-Urviechs Ian Fraser Kilmister. Denn in Wirklichkeit (das wird schnell sonnenklar!) ist der mittlerweile 65-jährige Engländer ein echtes Sweetheart – fiese Gesichtswarzen, Zahnlücken oder Ascheimerstimme hin, Nazi-Memorabilia-Sammlung und ausufernde Drogen- bzw. Säufer-Storys her. Ein Eindruck, der sich zwischen den Zeilen der Interviews mit Kollegen, Freunden und Bewunderern wie u. a. Hawkwind, Slash und Duff McKagan (beide Guns N' Roses und Velvet Revolver), Dave Grohl (Foo Fighters, Nirvana), Mötley Crüe, Ozzy Osbourne, Henry Rollins, Peter Hook (Joy Division, New Order), Joan Jett, Twisted Sister, Alice Cooper, Mick Jones (The Clash) oder den Jungs von Metallica nur noch weiter bestätigt.
Wer seine Band Motörhead mag, auf coole Rock'n'Roll-Anekdoten steht oder einfach nur wissen möchte, was für eine Sorte Mensch sich hinter der überlebensgroßen Legende namens Lemmy verbirgt, der muss diese Doppel-DVD oder Blu-ray (beide kommen inklusive satten 200 Minuten Bonusmaterials) dringend sehen. Zumal deren einziges, echtes Manko, die relative Dünne an Information über die Anfangstage des Meisters ist.
Klar, rechtzeitig zur neuen Tour gehört schnell noch ein neuer Tonträger in die Läden. Was liegt da näher als seine mittlerweile sechste (!) “Best of”-Compilation zu veröffentlichen? Offenbar nichts, wenn es nach den englischen Heavy-Rock-Veteranen um Bassist und Mastermind Steve Harris geht. Dieses Mal konzentriert man sich also auf die Jahre 1990 bis 2010. Eine, was Tonträger- und Ticket-Verkäufe angeht, durchgehend immens erfolgreiche, künstlerisch aber eher wechselhafte Phase in der Bandhistorie. Die Songauswahl von "Fear of the Dark" über "Tailgunner" und "When the Wild Wind Blows" bis "Paschendale" ist, angesichts dessen, als sehr gelungen zu bezeichnen. Tatsächlich sind so gut wie sämtliche Highlights dieser langen Ära auf der Doppel-CD vertreten. Der Fakt, dass alle fanatischen Iron-Maiden-Fans (gibt es überhaupt andere?) jede hier zu hörende Note aber längst in- und auswendig kennen bzw. bereits x-mal im Schrank stehen haben, macht das Ganze dann doch reichlich überflüssig. Ein, zwei neue Tracks, ein paar veritable Raritäten und/oder bisher unbekannte Versionen wären da wohl das Mindeste gewesen. Gibt's aber nicht. So riecht diese Veröffentlichung nun mal verdächtig nach reiner Geldmacherei auf Kosten der treuen Anhänger, die nun schon seit drei Dekaden brav alles kaufen, was ihre (dies natürlich exakt realisierenden) Lieblinge auf den Markt werfen.
So langsam darf einem der Typ unheimlich werden. Kommt, gerade zweieinhalb Monate nach seiner letzten Platte „Dust Bowl“, doch schon wieder Neues vom aktuellen Bluesrock-Star Joe Bonamassa. Hier zum zweiten Mal im Supergroup-Verbund mit Sänger/Bassist Glenn Hughes (Deep Purple, Trapeze etc.), Drummer Jason Bonham (u. a. Foreigner und – als Ersatzmann für seinen seligen Vater John – bei diversen Led-Zeppelin-Reunions) sowie Keyboardwunder Derek Sherinian (Dream Theater, Yngwie Malmsteen, Alice Cooper etc.). Erneut geht es noch etwas rockiger, härter zu, als auf den zuletzt ebenfalls schon recht deftigen Soloalben des Gitarristen. Diese Richtung legen gleich die schnellen, rauen "The Ousider" und "Man in the Middle" fest. Auch im weiteren Verlauf drückt der Vierer dann das Gaspedal gern mal bis zum Anschlag durch, sorgt aber auch geschickt für Abwechslung. Etwa beim keltisch angehauchten "The Battle for Hadrian's Wall", dem grandiosen Slow-Blues "Little Secret", der Halbballade "An Ordinary Son" oder dem zunächst entspannt beginnenden, dann allerdings majestätisch anschwellenden "Faithless".
"2" ist ein exzellentes Rockalbum im coolen 70er-Sound, das eindrucksvoll illustriert, wie derzeit offenbar alles zu Gold wird, was Mr. Bonamassa anfasst.