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2012-08-27

ZZ TOP: La Futura


Satte neun Jahre haben sich ZZ Top Zeit gelassen, um endlich wieder ein neues Studiowerk zu fabrizieren. 
Doch die Fans der Texas-Bärte werden durch eine grandiosen Arbeit des legendären Southern- und Bluesrock-Trios entschädigt, die zum Besten zählt, was dieses in seiner langen Karriere abgeliefert hat.
Die ewig erscheinende Wartezeit zahlt sich bereits bei "I Gotsta Get Paid", dem unwiderstehlichen Opener des von Produzenten-Guru Rick Rubin (Johnny Cash, Red Hot Chili Peppers, Beastie Boys, Slayer) betreuten Longplayers, aus.
Der Sound ­­ist warm, dreckig und herrlich organisch, wie zu Zeiten ihrer Kultalben "Rio Grande Mud" (1972) und "Tres Hombres" (1973) – nur eben mit modernem Equipment erzeugt. Die Melodien sind eingängig ohne plump zu wirken, umspielt von satten Riffs, gnadenlos rein hauenden Boogie-Grooves und Billy Gibbons' kratzigem Gesang. Der sagt mit clever gewählten, knappen Worten in einem cool rockenden Song wie "Consumption" oder der ergreifenden Ballade "Over You" oft mehr, als die meisten Kollegen auf einer ganzen CD.
Zu den weiteren Highlights zählen das von einer göttlich jaulenden Mundharmonika geführte "Heartache in Blue", das sehnsüchtig-epische "It's Too Easy" und das abschließende, mit einem brillanten Backbeat gewürzte "A Little Mercy".
Der größte Trumpf des kultigen Dreiers ist dabei seine jederzeit offensichtliche, in ihrer Selbstverständlichkeit dennoch niemals aufdringliche Virtuosität, verbunden mit einer unvergleichlichen Homogenität, die sich aus nun schon über 40 gemeinsamen Jahren auf der Bühne ergibt.
Bei ZZ Top sitzt jede Note, jedes Arrangement-Element – ob es nun Gibbons' wie ein wie ein glühendes Messer durch Butter schneidendes Gitarrensolo, Dusty Hills pumpende Basslinien oder Frank Beards relaxte Drum-Fills sind – kommt zum exakt richtigen Moment. Und vielleicht am wichtigsten: auf dem kompletten Album gibt es nicht einen Ton zu viel. Eine Kunst, die heutzutage kaum noch eine Band beherrscht.

ZZ TOP
La Futura
American Recordings
2012-09-07


ZZ TOP "I Gotsta Get Paid"

2011-05-31

JOE BONAMASSA: Dust Bowl

Wirklich fleißig, der Herr Bluesrocker. Nicht nur, dass Joe Bonamassa sich als derzeit populärster Vertreter seines Faches scheinbar durchgehend auf Tour befindet. Der Sänger und Gitarrist (34) veröffentlicht auch noch jedes Jahr ein neues Album. Und das – erstaunlicherweise – offenbar ohne auch nur die geringsten Zugeständnisse in Sachen Qualität machen zu müssen. Aktuelles Beispiel dafür ist sein mittlerweile neuntes Studiowerk. 
Dessen warmer und sehr atmosphärischer, an die besten 70er-Produktionen von Acts wie Led Zeppelin, Free oder auch Traffic erinnernder Sound, verleiht Kompositionen wie dem hart rockenden "Slow Train", dem im Vergleich dazu eher relaxten Titellied oder dem lockeren Country-Boogie "Tennessee Plates" (ein Duett mit John Hiatt) zusätzliche Dichte. Großartig!

JOE BONAMASSA
Dust Bowl
(Provogue)
2011-03-18


JOE BONAMASSA – "Slow Train"

2011-05-29

STATUS QUO: Quid Pro Quo

Endlich! Nach zuletzt ausgesprochen laschen Scheiben und einem noch schläfrigeren Solo-Ausflug von Frontmann Francis Rossi, lassen es die englischen Boogie-Rocker hier doch nochmal wieder so richtig krachen. Sowohl was die Kompositionen, als auch deren klangtechnisch fette Umsetzung (z. B. die wunderbar aggressiven Drums) angeht, sind die Veteranen hier so nah am Sound ihres kreativen Zenits während der 70er dran, wie - nun ja - seit damals nicht mehr. 
So herrlich unverkrampft groovenden, dabei gleichzeitig satt nach vorne peitschenden Nummern wie "Two Way Traffic",
"Frozen Hero" oder "Rock ’n’ Roll ’n’ You" hört man die Verwandtschaft zu ewigen Klassikern vom Schlage "Paper Plane" (1972), "Caroline" (1973) und "Down Down" (1974) umgehend an.  
Status Quo legen hier eine beeindruckende Rückkehr zur Bestform hin. Bitte exakt so weitermachen. Dann darf der eigentlich längst wohlverdiente Ruhestand gern noch ein paar Jahr(zehnt)e warten.

STATUS QUO
Quid Pro Quo
earMusic
2011-05-27
statusquo.co.uk

STATUS QUO - "Two Way Traffic"

2011-05-28

OHRENFEINDT: Schwarz auf Weiss

Die drei Kiezrocker aus Hamburg zielen schnörkellos und geradeaus, voll auf die Zwölf. Ihr dreckig-satter Sound im Stile von AC/DC mit Bon Scott plus einem Schuss 70er-Status-Quo ist herrlich reduziert und auch deshalb so erdig. Mehr bzw. weniger geht nicht, bei gnadenlos groovenden Rotzrockern à la "Alles auf Rot" oder ruhigeren Blues-Tracks wie "Heul den Mond an". 
Auch die von Frontmann Chris Laut mal gebrüllten, dann wieder gefühlvoll gekrächzten Texten sind einmal mehr ausgenommen clever formuliert. Bestes Beispiel dafür: das geniale "’N Job bei ’ner Bank".
Treffender als mit einem ihrer eigenen Songtitel lassen sich Ohrenfeindt und ihr viertes Studiowerk kaum beschreiben: "St. Pauli, du rockst!"

OHRENFEINDT
Schwarz auf Weiss
Hirnsturm
2011-04-15


OHRENFEINDT - "Sie hat ihr Herz an St. Pauli verloren"