Seit 1992 gab es keinen Longplayer mit neuen Kompositionen mehr von The Beach Boys,
einer der bis heute einflussreichsten und wichtigsten Bands der Pop-Geschichte. Zu ihrem 50. Jubiläum und für dieses 29. Album haben sich mit Al Jardine, Bruce Johnston, David
Marks, Mike Love und dem genialen Brian Wilson alle überlebenden
Mitglieder der Surf-Sound-Legende noch einmal im Studio zusammengefunden. Natürlich erreicht die Scheibe nicht die ganz große Qualität von "Pet Sounds"
oder "Smile". Gelungen und mehr als hörenswert ist sie aber dennoch. Auch weil
sie beide Seiten der Gruppe sehr plastisch darstellt und repräsentiert.
So bietet die erste Hälfte der Disc relaxt-sonnigen, beinahe sorglos erscheinenden Pop wie der Titeltrack oder "Spring Vacation". Der Rest
– startend mit "Strange World" – kommt
dann allerdings deutlich düsterer, psychedelischer und auch musikalisch sowie klanglich erheblich anspruchsvoller daher. Die beiden besten Nummern des Albums finden sich in dieser zweiten Hälfte: das ebenso kurze wie nachdenkliche Pianostück "Pacific
Coast Highway" und das herrlich vielschichtige "Summer’s Gone". Das mit einer wunderbar subtilen Referenz an den eigenen Klassiker "California Girls" (1965) beginnende, dann aber schnell eine ganz andere Richtung als dieser "Happy go lucky"-Song einschlagende Lied, wurde von Wilson übrigens in Kooperation mit Jon Bon Jovi verfasst. Mit "That's Why God Made the Radio" ist The Beach Boys ein – wie Fans es von den Veteranen seit jeher gewohnt sind – durchaus widersprüchliches, dennoch ausgesprochen schönes, lohnenswertes Alterswerk gelungen.
Joe Bonamassa, der momentan erfolgreichste (und ganz
offenbar fleißigste!) Bluesgitarrist der Welt geht hier – nach dem sehr guten
Zweitwerk seiner Band Black Country Communion und dem nicht weniger exzellenten
Top-10-Soloalbum „Dust Bowl“ – bereits mit der dritten CD des Jahres 2011 an
den Start.
Zusammen mit seiner stimmlich immer ein wenig
an Janis Joplin erinnernden US-Landsfrau Beth Hart liefert der New Yorker eine
dynamische Sammlung durchgehend gelungener, kraft- und gefühlvoll interpretierter, dabei
clever modernisierter Coverversionen ab.
Angenommen hat sich das Duo der Originale von
Soul-, Blues- und Jazz-Stars wie Billie Holiday („Don’t Explain“), Ray
Charles („Sinner’s Prayer“), Aretha Franklin („Ain’t No Way“), Etta James („I’d
Rather Go Blind“, „Something’s Got a Hold on Me“) aber auch – in deren
Kontext vielleicht etwas überraschend, aber dafür perfekt passend – Tom Waits („Chocolate
Jesus“) und der Newcomerin Melody Gardot („Your Heart Is as Black as
Night“).
Absoluter Höhepunkt des Albums ist allerdings das locker-relaxte Duett der beiden Ausnahmekönner
zum Delany-&-Bonnie-Klassiker „Well, Well“. Ein Hochgenuss.