Das derzeit kreativste Husband-&-Wife-Team der
Rockszene. Die Tedeschi Trucks Band legt nach ihrem gigantischen 2011er-Debüt "Revelator" nun mit einem
Live-Doppeldecker nach. Einmal mehr fällt es schwer zu sagen, was mehr Spaß macht sich anzuhören:
Susan Tedeschis herrlich bluesig-rauchige Stimme oder Derek Trucks‘ (mittlerweile eher nebenher auch noch bei der Allman Brothers Band tätig) ohne
Übertreibung nur als genial zu bezeichnendes Gitarrenspiel
zwischen deftigem Psy- chedelic-
und soulig-filigranem Jazz-Rock. Wer die beiden US-Süd- staatler und ihre
aus weiteren Ausnahmekönnern zusam- mengesetzte Begleitband noch immer nicht kennt,
sollte mal in so lebendige, pulsierende Stücke wie den Titeltrack oder den
sanft beginnenden, dann quasi explodierenden Burner "Learn How to Love" reinhören.
Mehr geht wirklich nicht.
Seit 1992 gab es keinen Longplayer mit neuen Kompositionen mehr von The Beach Boys,
einer der bis heute einflussreichsten und wichtigsten Bands der Pop-Geschichte. Zu ihrem 50. Jubiläum und für dieses 29. Album haben sich mit Al Jardine, Bruce Johnston, David
Marks, Mike Love und dem genialen Brian Wilson alle überlebenden
Mitglieder der Surf-Sound-Legende noch einmal im Studio zusammengefunden. Natürlich erreicht die Scheibe nicht die ganz große Qualität von "Pet Sounds"
oder "Smile". Gelungen und mehr als hörenswert ist sie aber dennoch. Auch weil
sie beide Seiten der Gruppe sehr plastisch darstellt und repräsentiert.
So bietet die erste Hälfte der Disc relaxt-sonnigen, beinahe sorglos erscheinenden Pop wie der Titeltrack oder "Spring Vacation". Der Rest
– startend mit "Strange World" – kommt
dann allerdings deutlich düsterer, psychedelischer und auch musikalisch sowie klanglich erheblich anspruchsvoller daher. Die beiden besten Nummern des Albums finden sich in dieser zweiten Hälfte: das ebenso kurze wie nachdenkliche Pianostück "Pacific
Coast Highway" und das herrlich vielschichtige "Summer’s Gone". Das mit einer wunderbar subtilen Referenz an den eigenen Klassiker "California Girls" (1965) beginnende, dann aber schnell eine ganz andere Richtung als dieser "Happy go lucky"-Song einschlagende Lied, wurde von Wilson übrigens in Kooperation mit Jon Bon Jovi verfasst. Mit "That's Why God Made the Radio" ist The Beach Boys ein – wie Fans es von den Veteranen seit jeher gewohnt sind – durchaus widersprüchliches, dennoch ausgesprochen schönes, lohnenswertes Alterswerk gelungen.
Das war kaum zu erwarten, als Janosch Rathmer,
Drummer der progressiv angehauchten Instrumental-Postrocker Long Distance
Calling bekannt gab, ein neues Projekt an den Start zu bringen. Und dennoch –
zusammen mit dem Sänger/Gitarristen Nick Van Delft, Stephan Gall (Gitarre) und Robert Kahr (Bass, Orgel) – hat er hier großartigen,
schon mal recht deftigen, psychedelisch dröhnenden 70er-Retrorock zwischen den
bluesigen Black Sabbath, den groovenden Thin Lizzy und ein paar Stoner-Momenten
abgeliefert.
Als Anspieltipp dürfte allein der Opener "Diamond Shoes" locker ausreichen. Wer den kennt, der hat ein gutes Bild davon, welch cooler Stoff ihn bei den restlichen Stücken erwartet. Das grandiose, herrlich old- schooligen Patina-Charme versprühende Cover-Artwork sowie eine gefühl- und doch immens kraftvolle Coverversion des
ZZ-Top-Klassikers "Blue Jean Blues" runden das Ganze clever ab. Ein richtig geiles Debüt!
"Zeitgeist", das 2007er-Comeback-Album
der alternativen 90er-Stars The Smashing Pumpkins, war vielen ihrer alten Fans offenbar zu rock’n’rollig und
riff-lastig geraten war. Darauf reagiert Bandleader Billy Corgan nun mit einer Rückkehr zu
introvertierteren und psychedelischeren Klängen. Dass das nicht unbedingt
mit ruhiger, sanfter oder gar zahnloser Musik gleichzusetzen ist, beweist gleich der exzellente Opener –
das tosend-hektische "Quasar".
Heftig dröhnende Gitarren und knackige Drums sind auch
beim Gros der restlichen Songs Trumpf. Stücke wie "Panopticum", "Glissandra"
oder "Inkless" kommen sehr gefühlvoll und vertrackt melodiös, aber eben doch auch verdammt heavy daher.
In vielen Belangen ist diese CD die Essenz dessen, was die Band mit
Alben wie "Gish" (1991), "Siamese Dream" (1993) und "Mellon Collie and the Infinite Sadness" (1995) einst ebenso groß- wie einzigartig gemacht hat. "Oceania"
ist ganz klar die beste Platte der Pumpkins seit damals.